Einen Tag vor dem großen Ereignis der offiziellen Militärparade am Ostersonntag 2006 stand die traditionelle Parade der linksnationalistischen Sinn Fein in der Dubliner Innenstadt. Ausgehend vom Phoenix-Park versammelten sich mehrere hundert Teilnehmer mit Musikzügen zum Marsch durch die Innenstadt, um abschließend zur großen Kundgebung am Hauptpostamt einzutreffen, wo auch SF-Präsident Gerry Adams eine Ansprache hielt.
Die Sinn Fein fühlte sich durch die erstmalige Wiederaufnahme des offiziellen Ostergedenkens seit 1970 durch die irische Regierung tief getroffen. Bisher verstand sie sich als Gralshüterin des bislang unbeachteten Osteraufstandes von 1916, dem nationalen irischen Gründungsmythos schlechthin. Doch in Anbetracht der wachsenden Stärke der Sinn Fein nahm Ministerpräsident Berti Ahern die Gelegenheit dieses Überraschungscoups wahr, der lästigen populistischen Konkurrenz so den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zumal die irische Regierung angesichts der durch die Modernisierung ausgelösten Zentrifugalkräfte, die die irische Gesellschaft zunehmend in Verlierer und Gewinner dieses Prozesses spaltet, die Wiederauflage positiver nationaler Identifikationssymbole für nötig erachtet.
Die Vertreter der Sinn Fein - mit Ausnahme des Dial-Abgeordneten Arthur Morgan - fehlten am nächsten Tag auf der Gästetribüne zur Militärparade (ebenso wie die ebenfalls eingeladenen unionistischen Abgeordneten der nordirischen Regionalversammlung, die im Osteraufstand einen "terroristischen Akt" sehen). Ob es auch dran liegt, daß sie die IRA als die einzige legitime Armee Irlands ansehen?
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